Kapazitätsmarkt: Ein guter Plan für die Zukunft?


Das ist zumindest die Meinung der Bundesregierung. Nun hat sie grünes Licht aus Brüssel. Die EU-Kommission erlaubt Kapazitätsausschreibungen bis zu 35 Milliarden Euro Steuergeld.  Gaskraftwerke sind bei diesen staatlichen Ausschreibungen bevorzugt. Technologien wie Batteriespeicher werden dabei praktisch ausgeschlossen.

Strommengen müssen abgesichert werden. Aber doch bitte dezentral und von den Stromhändlern. Dann würden sich die effizientesten Technologien durchsetzen. Das wäre dann auch marktwirtschaftlich und Technologieoffen. Die Kommunikationsstrategie des Wirtschaftsministeriums wirkt an dieser Stelle immer wie ein böser Scherz.

Günstiger wird unser Stromsystem durch neue Gaskraftwerke sicher nicht. Zahlen aus dem Tagesgeschäft? Wir produzieren Windstrom bei HellwegWind für rund 8 Cent die Kilowattstunde. Da sind alle unsere Kosten bereits gedeckt. Selbst wenn wir die Kosten für den Netzausbau noch einpreisen, liegen wir bei 9 Cent. Die betrieblichen Vollkosten eines Gaskraftwerks liegen bei etwa 15 Cent. Da sind keine Reparations- oder Strafzahlungen enthalten. Genauso wenig die Preisschwankungen für den Brennstoff durch internationale Krisen. 

Vorgestern die Meldung in der taz: Nepal fordert Reparationen von China, USA und Indien. Die großen drei CO₂-Verursacher der Welt sollen das schwer betroffene Land für die Folgen des Klimawandels entschädigen.

Klingt alles weit weg?

2024 befassten sich das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Prognos und die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) mit den Kosten des Klimawandels in Deutschland. Die Experten schätzen die Mehrkosten bis 2050 auf bis zu 900 Milliarden Euro, so nachzulesen auf der Website des Bundestages.

Wir alle haben den vergangenen Sommer noch gut in Erinnerung und welche Probleme er den Menschen, aber auch der Wirtschaft gemacht hat. Ganz schön nah, oder? Der Thinktank Agora Energiewende rechne zudem mit 30 Milliarden Euro Strafzahlungen für das deutsche Reißen der EU-Klimaziele für die kommenden 5 Jahre.

Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Klimawandel ist keine Träumerei, wir wissen, was uns der Klimawandel kosten kann. Wir wissen auch, dass erneuerbarer Strom günstiger ist und fossile Rohstoffe uns verwundbar machen gegen Aggressoren von außen. Ist der aktuelle Kurs also ein guter Plan für die Zukunft?