Flexible Anlagen brauchen flexible Netze.


Kreis Paderborn – Bei uns im Kreis Paderborn musste ein Batrecorder getauscht werden. Eigentlich eine Kleinigkeit, aber ein gutes Beispiel für ein großes Problem der Energiewende. Betreiber fahren ihre Anlagen heute bereits sehr flexibel. Das müssen sie, weil beispielswiese Naturschutzvorgaben sonst nicht umzusetzen wären. Die Netzbetreiber sind an der Stelle sehr viel großzügiger. Was uns ein Batrecorder über die Energiewende erzählt…

Ein Batrecorder wird in Windkraftanlagen verbaut, um Schallwellen zu monitoren, über die Fledermäuse kommunizieren. So kann genau ermittelt werden, wann Anlagen abgeschaltet werden müssen, um Fledermäuse zu schützen. Wird kein Batrecorder verbaut, wird die Anlage in Fledermausgebiet pauschal nach Temperatur, Wind und anderen Parametern abgeschaltet. Eben zu den Zeiten, in denen Fledermäuse laut Forschungslage gerne fliegen.

Ein Blick in ein Gutachten zeigt: Hier geht es um eine Menge Strom. Rund 17.500 MWh Strom produziert demnach eine Vergleichsanlage am Standort im Jahr. Alleine 350 MWh werden wegen Fledermausflug abgeregelt. Das ist Strom für rund 100 Familienhaushalte. Pro Jahr. Pro Anlage. Es macht also Sinn genau zu wissen, wann Fledermäuse an der Anlage fliegen.

Das soll kein Argument gegen den Naturschutz werden. Natur und Windkraft müssen zusammen funktionieren, dafür braucht es Schutzmaßnahmen. Das eigentliche Problem liegt woanders: Naturschutzauflagen sind ein schönes Beispiel dafür, wie flexibel wir unsere Anlagen heute steuern. Es zeigt aber auch, wie flexibel wir künftig unsere Netze steuern müssen.

Heute wissen viele Verteilnetzbetreiber nicht, wie viel Strom im Moment durch ihr Netz fließt. Der notwendige Netzausbau kann deshalb häufig nur auf Basis von Prognosen und Annahmen geplant werden. Abregelungen könnten eigentlich durch ein Netzmonitoring vermieden werden. Wir alle bezahlen die Kosten am Ende über die Netzentgelte.

Digitalisierung und intelligente Netzsteuerung sind genauso wichtig wie der Netzausbau. Und das muss nicht mal teuer sein oder lange dauern. In einem ersten Schritt würden beispielsweise Temperaturfühler an den Leitungen etwas bringen, um die Belastung des Netzes besser zu kennen.